Sequentielles Denken - logische Extrapolation



28.8.2007

Intelligenztests sind kein Maß für Intelligenz. Intelligenztests erfassen nur Dinge, die derjenige kennt, der die jeweiligen Tests aufgestellt hat. Was die Fähigkeiten des Testmachers übersteigt, kann von ihm nicht getestet werden.

Schon vor über 30 Jahren hat ein Buch die Dummheit der Intelligenztexts - und vor allem ihrer Macher - aufgedeckt: "Der Testknacker" [1], von Susanne von Paczensky [2].

Es gibt Gebiete, wo Intelligenztests grundsätzlich versagen müssen. So bei der Ingenuität. Wie sollte ein Test Erfindungen vorausahnen?

Das heißt: Bei einem der wichtigsten Gebiete überhaupt gibt es gar keine Testmöglichkeit.

Auch bei einem zweiten Gebiet versagen die Intelligenztests: beim Sozialverhalten. Firmen machen über den Rahmen einfacher Intelligenztests hinaus Testaquarien, sogenannte "Assessment-Center", in denen Bewerber oder bereits angestellte Mitarbeiter - teilweise unter Extrembedingungen - getestet werden. Genau hier, bei SIMULIERTEN Bedingungen, versagen die Tests, denn je raffinierter ein Teilnehmer ist, desto geschickter versteht er es, seine WAHREN Hintergründe zu tarnen. Das einzige, was man wirklich sehen (aber nicht testen!) kann, ist die Situation "Verhalten in einem Testaquarium". Der Erkenntnisgewinn für die Firmen ist gigantisch: sie können ihn mit dem Mikroskop suchen.

Vor allem bewirken Assessment-Center eines: die innere Kündigung...

Intelligenz ist Mustererkennung und Musterverarbeitung, das reicht von sprachlichen Fähigkeiten über Abstraktionsvermögen, 3-dimensionale Vorstellung und mathematische Fähigkeiten bis zu zeitlicher Extrapolation.

Letzteres ist das mit Abstand Schwerste. Es geht um die logische Folgerung "aus Zustand A folgt Zustand B". Physikalische Dinge lassen sich zeigen. Also kann man sie auch jemandem vorführen. Einem Kind zu erklären, daß eine Flamme an Papier das Papier brennen läßt, läßt sich zeigen. Es ist ein klar sichtbarer Beweis vorhanden. Nur ein Idiot wird den nicht wahrhabmen wollen.

Dinge hingegen, die sich NICHT mit physikalischen Beweisen sofort zeigen lassen, sind ein extrem ernstes Problem. Gerade menschliches Verhalten und andere Dinge, mit denen wir STÄNDIG konfrontiert sind, lassen sich NICHT so einfach vorführen wie "eine Kugel fällt runter, wenn man sie losläßt."

Vorausdenken, Folgen erkennen, abschätzen, gegen einander abwägen, all das ist logische Extrapolation.

Nun ist es nicht so, daß der Mensch auf diesem Gebiet KEINE Intelligenz hätte. Das Problem liegt vor allem darin, daß er ausgerechnet auf diesem Gebiet unsäglich dumm ist. Weder seine mangelnde Erkenntnisfähigkeit (er will es begreifen, aber er kann nicht) noch seine Erkenntnisresistenz (er WILL es nicht begreifen) lassen sich messen. Während man ihm zeigen kann, daß eine Kugel fällt (Erkenntnisfähigkeit), lassen sich Verhaltensmuster weder physikalisch zeigen noch dringen selbst einfachste Erklärungen zu ihm durch, wenn er sie nicht verstehen will. Seine Dummheit läßt ihn nicht nur Dinge von sich aus nicht erkennen, sie läßt auch die Erklärung über eine Funktion gar nicht erst zu.

Dummheit ist weder meßbar noch läßt sie sich beheben. Diese Wahrheit ist ebensoeinfach wie furchtbar. Sie ist einfach furchtbar...

Während es auf Gebieten wie Musik oder mechanische Fähigkeiten oder mathematische Fähigkeiten Genies gibt, gibt es sie bei logischer Extrapolation auch. Aber sie werden nicht anerkannt. Warum nicht? Weil die Umgebung der Genies zu dumm ist, den Erklärungen der Genies geistig zu folgen. Wegen der Erkenntnisresistenz werden die Genies sogar für unfähig, geisteskrank oder anderes diffamiert - und geächtet. Und verfolgt.

Viele werden meinen Text nicht verstehen. Das ist - selbst-nichterklärend - eine Frage der Intelligenz.

Aribert Deckers


[1] Der Testknacker

Der Testknacker : wie man Karriere-Tests erfolgreich besteht
Verfasser: Susanne von Paczensky
Erschienen: München [u.a.] : Bertelsmann, 1974
ISBN: 3-570-00912-2

Der Testknacker : Wie man Karrieretests erfolgreich besteht
Autor: Susanne von Paczensky
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
ISBN: 3499169495

[2] Susanne von Paczensky

Hedwig-Dohm-Urkunde 2004: Dr. Susanne von Paczensky
http://www.journalistinnen.de/verein/hedwig_dohm_urkunde/2004_paczensky_vita.html

Erwähnung in "Laudatio für Margarete Holzman und Reinhard Kaiser anlässlich der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises 2000"
http://www.buchhandel-bayern.de/geschwister-scholl-preis/2000_laudatio.shtml

 


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